Der Automobil-Weltverband FIA hat die Umweltstrategie der Betreibergesellschaft des Nürburgrings erneut ausgezeichnet und die Zwei-Sterne-Umweltakkreditierung bis Juli 2028 verlängert. Damit gehört der Nürburgring weiterhin zu einem exklusiven Kreis weltweiter Rennstrecken, die von der FIA für ihr geprüftes Umwelt- und Energiemanagement ausgezeichnet werden. Wie zukunftsorientiert an der längsten permanenten Rennstrecke der Welt gearbeitet wird, zeigt sich anhand zahlreicher konkreter Projekte: von großen Photovoltaikanlagen über nachhaltige Merchandise-Produkte und effiziente Wassernutzung bis hin zu Forstwirtschaft und konsequentem Lärmschutz rund um die Rennstrecke.
Bereits Mitte der 1990er-Jahre übernahm der Nürburgring weltweit eine Vorreiterrolle bei der Berücksichtigung ökologischer Belange im Motorsport. Damals wurde ein fortschrittliches Umweltmanagementsystem aufgebaut und nach der EG-Öko-Audit-Verordnung zertifiziert. Ende der 1990er-Jahre folgte die Auszeichnung mit dem internationalen „Environment Award“.
Dieser Weg wird bis heute konsequent weitergeführt: Seit 2022 ist der Nürburgring durch den Motorsport-Weltverband FIA umweltzertifiziert und stellt sich regelmäßig den anspruchsvollen Prüfungen unabhängiger Auditoren. Das FIA Environmental Accreditation Framework gilt global als einer der strengsten Umweltstandards im Sport- und Eventbereich. Es umfasst unter anderem Faktoren wie CO₂-Ausstoß, Lärmschutz, Biodiversität, Abfall- und Wassermanagement sowie Verträge, Beschaffung und Logistik.
„Die erneute Auszeichnung durch die FIA ist eine Bestätigung für einen Weg, den der Nürburgring seit Jahrzehnten konsequent geht“, sagt Christian Stephani, Geschäftsführer der Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG. „Wir beweisen regelmäßig, dass man eine vielseitige Rennstrecke und Eventlocation zukunftssicher betreiben kann und sich gleichzeitig für Belange der Umwelt einsetzt.“ Für Besucher, Anwohner sowie die Tier- und Pflanzenwelt zeigen sich die Ergebnisse des Umweltmanagements in zahlreichen großen und kleinen, konkreten Projekten.
Sonnenstrom und intelligentes Energiemanagement:
Der Nürburgring setzt auf saubere Energie und ein systematisches Energiemanagement. Dieses ist nach ISO 50001:2018 durch den TÜV zertifiziert – einem international anerkannten Standard für die kontinuierliche Verbesserung der Energieeffizienz. Ziel ist es, Energieverbräuche transparent zu erfassen, Einsparpotenziale zu identifizieren und damit auch CO₂-Emissionen nachhaltig zu reduzieren.
Ein Baustein ist die zunehmende Digitalisierung der Verbrauchserfassung. In verschiedenen, stark frequentierten Gebäuden können Zählerstände für Wasser, Heizung und Kälte bereits digital ausgelesen und ausgewertet werden. Dadurch lassen sich Verbrauchsentwicklungen und Lastspitzen besser analysieren sowie beispielsweise unterschiedliche Veranstaltungen, Jahreszeiten oder Vorjahreszeiträume miteinander vergleichen. Die gewonnenen Daten bilden damit eine wichtige Grundlage, um den Energie- und Ressourcenverbrauch gezielt weiter zu optimieren.
Inzwischen ist der Nürburgring zudem selbst ein großer Produzent von Ökostrom. Zuletzt wurden auf der gesamten Tribüne T13 insgesamt 510 Photovoltaikmodule installiert. Mit der neuen Anlage verfügt der Nürburgring inzwischen über rund 20.000 Quadratmeter eigene Photovoltaikfläche. Bereits zuvor gingen große Anlagen auf den Dächern rund um die Start-Ziel-Gerade – auf dem ring°werk und auf der BMW M POWER Tribüne – erfolgreich ans Netz.
Insgesamt produziert der Nürburgring damit rund 1,4 Millionen kWh nachhaltigen Strom pro Jahr. Der erzeugte Strom wird je nach Bedarf vollständig für den Betrieb des Nürburgrings genutzt. Den darüber hinaus benötigten Strom bezieht der Nürburgring zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen. Entlang der Nordschleife versorgen zudem autarke Solar-Container die Kameratechnik und LED-Panels der KI-gestützten Streckensicherung. Zusammen mit dem Ausbau leistungsstarker E-Schnellladepunkte tragen die unterschiedlichen Maßnahmen dazu bei, den CO₂-Fußabdruck des Nürburgrings weiter zu reduzieren.
Eigene Forstwirtschaft und konsequentes Lärmmonitoring:
Seit 2001 sorgt ein umfassendes Lärmschutzkonzept mit individuellen Maßnahmen dafür, die Lärmemissionen am Nürburgring zu reduzieren. Ein zentraler Bestandteil ist das permanente digitale Schallmonitoring. Die Lautstärke der Fahrzeuge auf der Rennstrecke wird dabei kontinuierlich in Echtzeit überwacht. Alle Daten des Schallmonitorings sowie der Emissionen werden zusätzlich von einem unabhängigen Sachverständigenbüro ausgewertet. Für den Fahrbetrieb gelten klare Vorgaben: Wer die vorgeschriebenen Lärmgrenzwerte überschreitet, muss die Strecke umgehend verlassen.
Auch abseits des Asphalts übernimmt die Betreibergesellschaft Verantwortung: Der Nürburgring bewirtschaftet 154 Hektar Wald nach dem strengen PEFC-Standard. Das beinhaltet ein klimaangepasstes, nachhaltiges Forstmanagement ohne Kahlschlag und mit klarem Fokus auf Biodiversität.
Kreislaufwirtschaft, Wassereffizienz und nachhaltige Fanartikel:
Die Schonung natürlicher Ressourcen spielt auch im Veranstaltungsbetrieb eine wichtige Rolle. Ein etabliertes Becherpfandsystem sorgt dafür, dass Getränkebecher immer wieder verwendet werden können. Auf diese Weise werden pro Saison rund zwei Millionen Einwegbecher eingespart. Gemeinsam mit dem Entsorgungsunternehmen REMONDIS werden darüber hinaus anfallende Abfälle durch Recycling, Wiederverwertung oder energetische Nutzung wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt.
Auch beim Wasserverbrauch setzt der Nürburgring auf effiziente Lösungen. Wassersparende Sanitäreinrichtungen kommen unter anderem in stark frequentierten Gebäuden und im Grand-Prix-Fahrerlager zum Einsatz. Aufgefangenes Regenwasser wird teilweise für die Toilettenspülungen im Bereich der Haupttribüne und des ring°boulevards genutzt.
Bei Großveranstaltungen kommen zudem moderne Sanitärcamps mit Vakuum-Technik zum Einsatz. Durch die Technologie kann der Wasserverbrauch um bis zu 90 Prozent reduziert werden. Zusätzlich kann Grauwasser aus Duschen und Waschplätzen für die Spülung der Vakuum-Toiletten weiterverwendet werden.
Auch bei den Fanartikeln spielt Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle: Bereits rund die Hälfte des gesamten Merchandising-Sortiments im offiziellen Nürburgring-Shop – von Shirts bis zu Kapuzenpullovern – wird nach anerkannten Nachhaltigkeitsstandards wie GOTS (Global Organic Textile Standard) oder MADE IN GREEN by OEKO-TEX® produziert.

Grafik: FIA
